Nordic Curator
Journal · 10 Min. Lesezeit ·

Lofoten, Senja oder Vesterålen? Drei Inselgruppen im Vergleich

Der pyramidenförmige Oksen-Gipfel steigt steil über dem Fjord auf, vom Tungeneset-Aussichtspunkt auf Senja gesehen
Foto: Richard Christie

Die drei Inselgruppen auf einen Blick

Von Süden nach Norden gelesen: Die Lofoten beginnen gegenüber von Bodø und ziehen sich als schmale Kette nach Südwesten ins Meer. Direkt nördlich schließen die Inseln von Vesterålen an, ohne klare Grenze in der Landschaft. Senja liegt ein gutes Stück weiter nördlich, schon im Einzugsgebiet von Tromsø. Wer die drei auf der Karte sieht, hält sie leicht für eine Region. Unterwegs fühlen sie sich an wie drei verschiedene Reisen.

Die drei Inselgruppen auf einen Blick
LofotenSenjaVesterålen
Lagesüdlichste der drei, gegenüber von Bodønördlichste, westlich von Tromsødirekt nördlich der Lofoten
AnreiseFähre ab Bodø, Flug nach Svolvær, Leknes oder Evenesüber Tromsø, dann Fähre Brensholmen-BotnhamnFlug nach Evenes, Andenes oder Stokmarknes, Postschiff bis Sortland
Andrang im Hochsommerhoch, gebündelt an der E10mittel, gebündelt an der Außenküstegering
LandschaftsbildGranitwände direkt über dem Wasser, dichte Fischerdörferwilde Außenküste, sanfte Innenseite mit Wald und Höfenweitere Landschaft, Moore, Sunde, verstreute Fischerdörfer
Unsere Radreise8 Tage, Svolvær bis Reine6 Tage, Tromsø bis Senjas Außenküste8 Tage, Rundreise ab Sortland
Charakter der Reiseder bekannte Klassikerkompakt und dichtruhig, mit Ruhetag zum Wandern

Lofoten: der Klassiker, mit allem, was dazugehört

Die Lofoten sind das Bild, das die meisten Menschen im Kopf haben, wenn sie an Nordnorwegen denken: rote Fischerhütten auf Pfählen, dahinter Wände aus Granit, die ohne Vorland aus dem Meer steigen. Dieses Bild stimmt. Es hat nur einen Preis, und der heißt E10. Die Europastraße ist auf weiten Strecken die einzige durchgehende Verbindung von Svolvær bis zum Ende der Inselkette bei Å, und im Juli fahren darauf Mietwagen, Wohnmobile und Reisebusse in dichter Folge. Die bekannten Orte Reine, Hamnøy und Nusfjord sind zur Mittagszeit voll.

Unsere Radreise auf den Lofoten läuft selbstgeführt von Svolvær nach Reine, über acht Tage, mit Etappen von gut 40 bis gut 50 km und Gepäcktransport zwischen den Hotels. Eine Fähre durch den inneren Sund nach Nusfjord erspart ein Stück Hauptstraße. Die letzte Übernachtung liegt in einer umgebauten Rorbu in Reine, direkt über dem Hafen. Das Gelände ist wellig, nicht alpin, dafür kommen Tunnel und der Wind vom offenen Atlantik dazu.

Konkret bedeutet das: Wir bieten diese Reise im Juni sowie von Ende August bis in den September an und raten vom Hochsommer ab. Im Juni haben Sie die Mitternachtssonne und deutlich weniger Verkehr, Ende August werden die Abende wieder dunkel und die Busse seltener. Wer die Lofoten im Juli mit dem Rad erleben möchte, sollte wissen, dass er viele Kilometer im Rückspiegel eines Wohnmobils verbringt.

Senja: die Außenküste ist der Grund der Reise

Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens und hat zwei Gesichter. Die Innenseite zum Festland hin ist sanft, mit Birkenwald, Höfen und Wiesen. Die Außenseite zum Europäischen Nordmeer ist das Gegenteil: gezackte Gipfel, die senkrecht ins Wasser fallen, kleine Fischerdörfer in engen Buchten, dazwischen Tunnel und kurze, steile Anstiege. Hier verläuft die Nationale Touristenstraße Senja, und hier liegen die Aussichtspunkte, deren Fotos den Namen der Insel bekannt gemacht haben: Tungeneset mit dem Blick auf die Zacken von Okshornan, die Plattform bei Bergsbotn, der Strand von Ersfjord.

Unsere Radreise auf Senja beginnt in Tromsø und dauert sechs Tage. Sie radeln über die Insel Kvaløya zum Fischerdorf Sommarøy, setzen mit der Fähre nach Botnhamn über und folgen dann der Außenküste. Es sind vier Radtage zwischen 40 und 62 km, zusammen rund 200 km. Der längste Anstieg kommt am zweiten Tag, rund 200 Höhenmeter hinauf zum Pass Kattfjordeidet auf Kvaløya. Feste Termine gibt es nicht: Die Reise wird auf Anfrage für Ihre Wunschwoche gebucht.

Wir empfehlen Senja allen, die wenig Urlaubstage haben und trotzdem die arktische Außenküste sehen möchten. Tromsø erreichen Sie von Deutschland aus in der Regel mit einem Umstieg in Oslo, und der Weg vom Flughafen auf die Insel ist kurz. Voll wird es auf Senja nur an den Aussichtspunkten, und auch dort nur in den Mittagsstunden.

Vesterålen: ruhiger, weiter, mit Walen vor der Küste

Vesterålen hat die gleiche Geologie wie die Lofoten, dieselben Granitberge und dieselbe Nähe zum offenen Meer, aber nur einen Bruchteil der Besucher. Die Landschaft ist weiter. Zwischen den Bergen liegen Moore und flache Sunde, die Dörfer sind kleiner und weiter voneinander entfernt. Vor der Küste von Andøya fällt der Kontinentalschelf steil ab, deshalb starten in Andenes und in Stø im Sommer Walsafaris.

Unsere Radreise durch Vesterålen ist eine Rundreise ab Sortland über acht Tage. Es sind fünf Radtage zwischen 30 und 64 km, zusammen rund 245 km, mit mehreren Streckenvarianten pro Tag, je nach Wetter und Beinen. Der Ort, um den die Woche gebaut ist, heißt Nyksund: ein Fischerdorf, das in den 1970er-Jahren verlassen wurde und seit den 1980er-Jahren wieder bewohnt ist. Dort liegt ein Ruhetag, und an diesem Tag gehen Sie die Dronningruta, einen rund 15 km langen Küstenweg über den Grat zwischen Nyksund und Stø. Am letzten Tag bringt Sie ein RIB-Boot von Ringstad nach Stokmarknes.

Für wen ist das? Für Reisende, die die Lofoten entweder schon kennen oder gar nicht erst in die Menge möchten. Vesterålen ist die Inselgruppe, auf der man abends im Hafen noch mit Einheimischen ins Gespräch kommt, weil nicht jeder Tisch mit Besuchern besetzt ist. Wer das bekannte Postkartenmotiv sucht, findet es hier seltener. Wer Wale, Seevögel und stille Buchten sucht, ist hier richtig.

Mitternachtssonne, Nordlicht und Wind: wann welche Insel

Alle drei Inselgruppen liegen nördlich des Polarkreises, und alle drei haben im Frühsommer die Mitternachtssonne. Je weiter nördlich, desto länger dauert sie. Auf den Lofoten reicht sie grob von Ende Mai bis Mitte Juli, auf Senja und in Vesterålen einige Tage länger in die zweite Julihälfte hinein. Für eine Radreise ist das mehr als ein Fotomotiv: Sie können bei gutem Wetter einfach weiterfahren, und wenn der Wind am Nachmittag auffrischt, verlegen Sie die Etappe in den Abend.

Ab Ende August wird es nachts wieder dunkel genug für Polarlichter. Die Lofoten- und die Senja-Reise reichen bis in den September, die letzte Vesterålen-Woche endet Anfang September. Garantiert ist das Nordlicht in keiner Woche, und wer vor allem deswegen reist, plant besser einen Winteraufenthalt. Wie Sie den richtig anlegen, steht in unserem Beitrag über Nordlichter jenseits der Tromsø-Bustour.

Der unterschätzte Faktor ist der Wind. Die Außenküste von Senja, die Westseite der Lofoten und die offene Küste bei Bø in Vesterålen liegen ungeschützt zum Atlantik. Ein Tag mit Gegenwind kann mehr Kraft kosten als ein langer Anstieg. Wir empfehlen deshalb ein E-Bike für alle, die nicht regelmäßig Touren über 60 km fahren, und etwas Spielraum im Tagesplan.

Alle drei auf einer Reise: von Tromsø bis Svolvær

Wer sich nicht entscheiden möchte, kann alle drei Inselgruppen hintereinander fahren. Unsere Radreise von Tromsø zu den Lofoten folgt der Nationalen Touristenstraße und dem Radfernweg EuroVelo 1 von Tromsø über Senja, Andøya und Vesterålen bis nach Svolvær. Zwei Fähren verbinden die Inseln, von Brensholmen nach Botnhamn und von Gryllefjord nach Andenes.

Diese Reise ist deutlich anspruchsvoller als die drei Einzelreisen: sechs Radtage zwischen 41 und 63 km, zusammen rund 330 km, mehrere lange Tage hintereinander, dazu Wind an der offenen Küste. Sie eignet sich für trainierte Tourenradler, die mehrere Tage am Stück fahren können. Die Belohnung ist, dass Sie die Unterschiede, um die es in diesem Vergleich geht, mit eigenen Beinen erleben: die leere Straße auf Andøya am Vormittag und die volle E10 kurz vor Svolvær am selben Nachmittag. Alle Radreisen im Überblick finden Sie auf unserer Seite zu Radreisen in Norwegen.

Wandern oder Radfahren auf den Inseln

Eine wichtige Einschränkung vorweg: Für alle drei Inselgruppen haben wir derzeit nur Radreisen im Programm, keine Wanderreise. Die Berge auf den Lofoten und auf Senja sind für Tageswanderungen bekannt, aber viele der beliebten Gipfel sind steil, ausgesetzt und im Sommer stark begangen. Eine Wanderwoche mit Gepäcktransport, wie Sie sie aus den Alpen kennen, bieten wir auf den Inseln nicht an.

Innerhalb der Radreisen gibt es Zeit zu Fuß. In Vesterålen ist der Ruhetag in Nyksund ausdrücklich für die Dronningruta eingeplant, und auf den Lofoten lassen die freien Tage Raum für eine kürzere Tour auf eigene Faust. Wer eine echte Wanderreise sucht, findet sie bei uns im Hochgebirge, in Jotunheimen, Rondane oder in der Hardanger-Region. Unser Leitfaden zu Wanderreisen in Norwegen erklärt die Unterschiede.

Unsere Empfehlung nach Reisetyp

Aus unserer Sicht lässt sich die Wahl meistens mit einer einzigen Frage klären: Was ist Ihnen wichtiger, das bekannte Motiv oder die Ruhe? Daraus ergibt sich fast alles andere.

  • Sie sind zum ersten Mal im Norden und möchten die bekannten Fischerdörfer sehen: Lofoten, im Juni oder ab Ende August.

  • Sie haben eine knappe Woche und reisen über Tromsø an: Senja, sechs Tage, ohne lange Transfers.

  • Sie suchen Stille, Tiere und einen Tag zu Fuß: Vesterålen, mit dem Ruhetag in Nyksund.

  • Sie sind trainiert und möchten die Küste als Ganzes erleben: Tromsø bis Svolvær in einer Woche.

  • Sie reisen zu zweit mit unterschiedlicher Kondition: Senja oder Lofoten, mit einem E-Bike für eine Person.

FAQ

Häufige Fragen

Ist Senja im Juli eine gute Alternative zu den überfüllten Lofoten?

Wie kommen Sie ohne Mietwagen von Tromsø auf die Insel Senja?

Lohnt sich Vesterålen, wenn Sie die Lofoten schon kennen?

Welche der drei Radreisen eignet sich für ungeübte Radfahrer?

Kann man die Inselreisen mit dem E-Bike fahren?