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Journal · 11 Min. Lesezeit ·

Lofoten wandern: Gipfel, Reisezeit und die Planung der Woche

Goldenes Licht am späten Nachmittag über den hölzernen Rorbuer des Nyvågar Rorbuhotell, dahinter ein Berg der Lofoten
Foto: Hallvard Kolltveit / Classic Norway Hotels · Nyvagar, Lofoten

Worum es geht

Dieser Beitrag ordnet die klassischen Tagestouren nach Kondition und Ausgesetztheit, nennt die Zeitfenster für Mitternachtssonne, Spätsommer und Polarlicht, sagt, welcher Standort welche Art Woche trägt, und beantwortet am Schluss die Frage, die uns am häufigsten erreicht: ob es für Ihre Reise wirklich die Lofoten sein müssen.

Warum die Geografie die Form der Wanderungen bestimmt

Die Lofoten sind eine rund 160 km lange Inselkette nördlich des Polarkreises, auf etwa 68 Grad Nord. Die Berge bestehen aus altem Granit, reichen bis knapp 1.000 m und stehen ohne Vorgebirge direkt im Meer. Daraus folgt die Form jeder Wanderung hier: Sie starten fast immer auf Meereshöhe, der Anstieg ist durchgehend, und nach wenigen hundert Metern sehen Sie bereits das, wofür Sie angereist sind.

Für Alpenwanderer verlangt das eine Umstellung der Maßstäbe. 600 Höhenmeter klingen nach einem halben Vormittag. Auf den Lofoten sind sie ein Tagesprogramm, weil das Gelände oberhalb der Baumgrenze aus nassem Fels, Moorböden und steilen Grasflanken besteht, in denen der Tritt nicht zuverlässig hält. Was das *Fjell* (die offene Hochfläche oberhalb der Baumgrenze) im Binnenland von den Alpen unterscheidet, haben wir in Jotunheimen für Alpenwanderer auseinandergenommen. An der Küste kommt der Wind dazu, der oberhalb von etwa 500 m fast immer weht, und die Feuchtigkeit, die den Granit tagelang rutschig hält.

Markierungen existieren, aber nicht nach DAV-Standard. Ein roter Punkt auf einem Felsen ist ein Hinweis, keine Wegweisung, und an Verzweigungen steht selten ein Schild. Deshalb sind die Fjellvettreglene, die norwegischen Bergregeln, hier keine Folklore. Umkehren bei aufziehendem Nebel ist auf einem Grat über dem offenen Meer eine andere Entscheidung als in einem übersichtlichen Kar.

Die klassischen Tagestouren und für wen sie taugen

Reinebringen, 448 m. Der bekannteste Aussichtspunkt des Archipels, mit dem Blick auf Reine und die vorgelagerten Inseln, den Sie von jedem zweiten Norwegen-Kalender kennen. Der Weg führt über eine von nepalesischen Steinsetzern gebaute Treppe, die den früheren Trampelpfad ersetzt hat. Technisch ist das keine anspruchsvolle Tour, konditionell auch nicht, aber es ist die meistbegangene der Inselkette: Wer allein oben stehen will, geht vor sieben Uhr morgens oder nach dem Abendessen. Die Treppe ist bei Nässe und im Frühjahr bei Restschnee regelmäßig gesperrt, und die Sperrung wird ernst gemeint.

Ryten und die Bucht Kvalvika. Auf Flakstadøya, mit der Kombination aus einem flachen Gipfelplateau und einem Sandstrand, den man nur zu Fuß erreicht. Der Anstieg ist moderat, der Boden auf der ersten Hälfte weich und im Sommer regelmäßig matschig. Gute Wahl für den ersten Tag, weil er die Verhältnisse zeigt, ohne die Woche zu entscheiden.

Festvågtind über Henningsvær. Kurz, steil und mit dem Blick, den Sie sonst nur aus dem Hubschrauber bekommen: das Fischerdorf auf seinen Schären, davor das offene Meer. Ein Abschnitt kurz unter dem Gipfel ist ausgesetzt und verlangt die Hände. Bei Nässe nicht die richtige Tour.

Munken auf Moskenesøya. Die längste der bekannten Tagestouren, mit deutlich mehr Höhenmetern als die drei zuvor und ohne Ausweichmöglichkeit, wenn das Wetter mitten am Grat kippt. Wer im DAV Hochtouren geht und sich im weglosen Gelände sicher fühlt, findet hier den vollen Tag, den die anderen Routen nicht liefern. Alle anderen sollten sie sich für die zweite Woche aufheben.

Die praktische Reihenfolge, die wir Gästen empfehlen, ist deshalb: erst Ryten, dann Festvågtind, dann Reinebringen früh am Morgen, und Munken nur an einem Tag mit stabiler Vorhersage. Wer vier Gipfel in vier Tagen plant, hat die Regenwahrscheinlichkeit nicht eingerechnet.

Die Zeitfenster, die Ihre Woche bestimmen

Die Mitternachtssonne steht auf den Lofoten etwa vom 28. Mai bis zum 14. Juli über dem Horizont. Das ist mehr als eine Kuriosität für die Kamera: Es verschiebt den Tagesablauf. Die Gipfel sind um zweiundzwanzig Uhr angenehm leer, die Felsen sind dann noch warm, und der Schlafrhythmus geht dabei verloren, wenn das Zimmer keine dichten Vorhänge hat. Fragen Sie danach, bevor Sie die Unterkunft bestätigen.

Ende August und September sind die unterschätzten Wochen. Die Schneereste sind weg, die Wege sind trockener als im Frühsommer, die Mückensaison ist vorbei, das Licht wird lang und flach, und ab Anfang September kann bei klarem Himmel schon das Nordlicht einsetzen. Der Ausgleich dafür sind eine höhere Regenwahrscheinlichkeit und spürbar kürzere Tage. Wie sich die Monate über ganz Norwegen verteilen, steht im Monatsplaner für Wanderreisen.

Der Frühsommer hat eine Einschränkung, die selten im Prospekt steht: In den nordseitigen Rinnen und über 600 m liegt bis in den Juni hinein Altschnee, und genau dort verläuft der Schlussanstieg mehrerer Gipfel. Wer Anfang Juni bucht, sollte einen Gipfel weniger einplanen und die Reihenfolge nach Exposition wählen, nicht nach Bekanntheit.

Der Winter ist keine Wandersaison, sondern eine eigene Reiseform. Die Polarnacht dauert auf den Lofoten etwa vom 7. Dezember bis zum 4. Januar, und auch außerhalb dieser Wochen sind die Gipfelrouten vereist und lawinengefährdet. Wer im Winter kommt, kommt für das Licht und die Küste, nicht für die Gipfel.

Anreise und die Wahl des Standorts

Die übliche Anreise aus Deutschland führt über Oslo nach Bodø und von dort mit einer kleinen Propellermaschine der regionalen Fluggesellschaft Widerøe nach Leknes oder Svolvær. Die Alternative ist der Flug nach Harstad/Narvik Evenes mit anschließender Busfahrt in die Inselkette, die landschaftlich lohnt und einen halben Tag kostet. Wer ohnehin ein Fahrzeug will, nimmt die Fähre von Bodø nach Moskenes und beginnt am Westende.

Standorte lassen sich grob in drei Zonen teilen. Im Westen, um Reine und Hamnøy, liegen die Postkartenmotive und die kürzesten Anfahrten zu Reinebringen und Munken. Es ist zugleich der engste und im Hochsommer vollste Teil. In der Mitte, um Leknes und Ballstad, wohnen Sie unspektakulärer, aber zentral, mit der kürzesten durchschnittlichen Fahrzeit zu allen Ausgangspunkten. Im Osten liegen Henningsvær und Svolvær mit den meisten Restaurants, den Bootstouren in den Trollfjord und der besten Schlechtwetter-Alternative.

Die Unterkunftsform, die den Unterschied macht, ist die Rorbu, die umgebaute Fischerhütte am Hafenrand. Der Ausbaustandard schwankt erheblich, von einfach bis sehr komfortabel, und die Beschreibung im Prospekt sagt darüber wenig. Zwei Punkte, die Sie vor der Buchung klären sollten: ob die Hütte eine eigene Dusche hat und ob sie tatsächlich am Wasser steht oder in der zweiten Reihe.

Zur Länge der Reise: Unter sechs Nächten auf den Inseln lohnt der Anreiseaufwand aus unserer Sicht nicht. Rechnen Sie mit einem halben Tag Anreise ab Oslo, mindestens zwei Tagen Puffer für Regen und Wind, und mit der Erfahrung, dass die meisten Gäste den vorletzten Tag nicht mehr für einen Gipfel nutzen, sondern für den Ort, den sie am Anfang durchfahren haben. Acht Nächte sind die Länge, nach der uns am seltensten jemand sagt, es sei zu knapp gewesen.

Eine Vorwarnung zur Fortbewegung: Ohne Fahrzeug sind Sie auf den Bus entlang der E10 angewiesen, und der Takt ist auf den Schulverkehr ausgelegt, nicht auf Wanderer. Wer auf ein Mietfahrzeug verzichten will, sollte die Woche um einen einzigen Standort mit erreichbaren Ausgangspunkten bauen, statt die Inselkette abfahren zu wollen.

Mit dem Rad statt zu Fuß

Wir sagen es deutlich, weil es die häufigste Fehlannahme ist: Wir haben auf den Lofoten keine geführte Wanderwoche im Programm. Die geführten Wanderreisen liegen im Binnenland, etwa die geführten Wanderungen in Jotunheimen, und für die Lofoten organisieren wir Wanderwochen als individuelle Reise mit festem Standort.

Was es als fertige Reise gibt, ist die Lofoten-Radwoche: selbstgeführt von Svolvær nach Reine, acht Tage, drei Radtage mit 41, 49 und 53 km, zusammen mit den optionalen Touren an den freien Tagen 160 km oder mehr, mit transportiertem Gepäck. Das ist die Inselkette der Länge nach, und es ist aus unserer Sicht die stimmigere Art, die Lofoten in einer Woche zu sehen, weil die Entfernungen zwischen den Dörfern genau auf dieser Skala liegen. Zu wissen ist, dass die Strecke der E10 folgt, also mehreren Tunneln und dem Sommerverkehr. Wer beides gar nicht mag, fährt lieber weiter nördlich.

Die größere Variante ist die Tour von Tromsø auf die Lofoten über Senja und Andøya: acht Tage, rund 333 km, sechs Radtage zwischen 41 und 63 km, und damit eine Reise für geübte Tourenfahrer. Sie verbindet drei Inselgruppen, die nacheinander ruhiger werden, je weiter Sie von Tromsø wegkommen.

Wenn Ihnen die Lofoten zu voll sind

Die Frage stellt sich häufiger, seit die Bilder aus Reine überall zirkulieren. Zwei Alternativen mit derselben Berg-trifft-Meer-Geografie stehen direkt daneben.

Vesterålen schließt nördlich an und ist geologisch dieselbe Bruchlinie. Das Wahrzeichen ist das aufgegebene und später wiederbesiedelte Fischerdorf Nyksund, von dem die Dronningruta über einen 15 km langen Küstengrat nach Stø führt, eine der schönsten Tageswanderungen des Landes. Vor Andøya steht eine Pottwal-Population im tiefen Wasser. Unsere Vesterålen-Radwoche ist eine Schleife ab Sortland, acht Tage und rund 245 km auf fünf Radtagen zwischen 30 und 64 km.

Senja ist mit 1.586 km² die zweitgrößte Insel Norwegens und liegt zwischen Tromsø und den Lofoten. Die Außenküste folgt einer Nasjonal Turistveg mit den Aussichtspunkten Tungeneset und Bergsbotn, und die Gipfel Segla und Hesten sind die Tagestouren, für die Wanderer herkommen. Der Besucherdruck liegt spürbar unter dem der Lofoten. Unsere Senja-Inseltour verbindet Tromsø, Kvaløya und die Außenküste in sechs Tagen und rund 199 km.

So ordnen wir die drei Inselgruppen ein, wenn uns jemand fragt, welche zu ihm passt.

Wenn Ihnen die Lofoten zu voll sind
LofotenVesterålenSenja
LandschaftsbildGranitzacken dicht gestaffelt, Dörfer am Wasserdieselbe Bruchlinie, weiter auseinandergezogenAußenküste mit einzelnen markanten Gipfeln
Besucherdichte im Hochsommerhoch, an den bekannten Punkten sehr hochniedrigniedrig bis mittel
Bekannte TageswanderungReinebringen, Ryten, MunkenDronningruta ab NyksundSegla und Hesten
Unsere ReiseLofoten-Radwoche ab SvolværVesterålen-Schleife ab SortlandSenja-Inseltour ab Tromsø
Passt zuerster Norwegen-Reise mit klaren Bildern im KopfReisenden, die Ruhe über Bekanntheit stellenReisenden, die Tromsø ohnehin anfliegen

Praktisches, das die Woche rettet oder ruiniert

Das Jedermannsrecht erlaubt Ihnen, sich in der Natur frei zu bewegen und außerhalb von eingezäuntem Land zu zelten. Auf den Lofoten ist das Recht in den letzten Jahren an einigen Stellen eingeschränkt worden, weil zu viele Zelte an denselben drei Stränden standen. Lesen Sie die Schilder an den Parkplätzen, sie sind kein Vorschlag.

Zur Ausrüstung: Feste Schuhe mit Profil und knöchelhohem Schaft, keine Zustiegsschuhe. Eine Regenhose gehört auch im Juli in den Rucksack, ebenso eine Mütze. Der Wetterumschwung dauert hier keine Stunden, sondern Minuten, und nasser Granit ist die häufigste Ursache für die kleinen Unfälle, von denen die örtliche Bergrettung berichtet.

Zum Umgang mit dem Andrang: Die Belastung der Lofoten ist zeitlich und räumlich sehr ungleich verteilt. Sie konzentriert sich auf wenige Punkte zwischen elf und sechzehn Uhr, auf Juli und die erste Augusthälfte, und auf die Tage, an denen ein großes Schiff in Svolvær liegt. Wer seine Gipfeltage früh beginnt und die bekannten Stellen am Abend ansteuert, erlebt eine andere Inselkette als die, über die in den Reiseforen geklagt wird. Das ist kein Geheimwissen, sondern nur eine Frage der Uhrzeit.

Zur Verpflegung: Warme Mahlzeiten sind außerhalb von Svolvær, Henningsvær und Leknes dünn gesät, und in den Dörfern schließen die Läden früher, als deutsche Reisende erwarten. Die norwegische Lösung heißt *Nistepakke*, das mitgeführte Brot-Paket, und sie ist auch für Sie die richtige.

Wobei wir helfen

Gewandert wird ohne uns. Unsere Arbeit liegt davor: einzuordnen, ob die Lofoten oder eine der ruhigeren Nachbarinseln zu dem passt, was Sie sich vorstellen, welcher Standort die Touren trägt, die Sie tatsächlich gehen wollen, in welche zwei Wochen einer kurzen Saison Ihre Termine am besten fallen, und welche Formulierung in einem Angebot Sie prüfen sollten, bevor Sie zusagen.

Haben Sie schon einen ungefähren Zeitraum, aber noch keine Route, dann schreiben Sie uns jetzt. Sagen Sie, welche Höhenmeter Sie zu Hause gewohnt sind, ob Sie lieber laufen oder fahren, und welche Wochen Sie freibekommen. Die Zuordnung übernehmen wir. Am einfachsten starten Sie bei Reise planen. Wer sich zuerst umsehen möchte, findet die Wanderreisen im Programm.

Erik Thorsen

FAQ

Häufige Fragen

Kann man auf den Lofoten von Hütte zu Hütte wandern?

Wie fit muss ich für die klassischen Gipfel sein?

In welchen Monaten lohnt sich eine Wanderwoche auf den Lofoten?

Brauche ich ein Auto?

Sind die Lofoten für eine erste Norwegen-Reise geeignet?